ABC

Bodhisattva

Göttliche Wesen und Gottheiten

Bodhisattva (Skt., Chin. pusa, Jap. bosatsu) heisst wörtlich «Erwachtes Wesen» (Skt. bodhi «Erwachen» und sattva «Wesen»), wird aber häufig auch als «Erleuchtungswesen» übersetzt. In den alten Texten wird der historische Buddha vor dem Erwachen so genannt. Mit der Entwicklung des Mahayana-Buddhismus kam die Vorstellung auf, dass ein Bodhisattva aus Mitgefühl mit anderen Lebewesen auf das eigene vollständige Verlöschen (Nirvana) verzichtet, um diesen auf dem Weg zur höchsten Erkenntnis zu helfen. Da ein Bodhisattva ein vollendetes Lebewesen ist, das die höchste Erkenntnis in sich trägt, ist er den Dimensionen von Zeit und Raum nicht mehr unterworfen, d. h., er kann gleichzeitig an verschiedenen Orten und in unterschiedlicher Gestalt erscheinen. In der Kunst werden Bodhisattvas meistens mit dem Gewand und dem reichen Schmuck eines indischen Prinzen dargestellt.

 

«Ich gelobe, dass ich, wenn ich die erlösende Einsicht erlange, die Gelegenheit zurückweisen werde, in die Seligkeit des Nirvana einzutreten, und mich aus freiem Willen der Wiedergeburt im Kosmos unterziehe, um dort als Quelle des Beistands und der Ermutigung für andere fühlende Wesen zu dienen, bis die Zeit gekommen ist, da nicht ein einziges mehr im Kreislauf von Geburt und Tod gefangen ist. Wie viele Äonen es auch dauern mag, bis alle bereit sind, in letztendliche Seligkeit einzutreten, ich werde nicht vor ihnen eintreten, denn wer weiss, wie viele von ihnen meine Mutter oder andere meiner Lieben in früheren Leben gewesen sind.»1

 

1 Zitiert nach Alois Payer, Materialien zur buddhistischen Ethik. Lehrveranstaltung Ethik des Buddhismus, Univ. Tübingen, Kapitel 8, Besonderheiten des Mahayana, das Bodhisattva-Ideal, Fassung vom 6. März 1996, http://www.payer.de/buddhethik/ethbud08.htm, letzter Zugriff am 24.09.2018.